Provisorisch Kirche sein?
Geistlicher Impuls Mai 2022
Alle, die provisorisch nach Formen und Wegen des Evangeliums suchen, stehen in guter prophetischer Tradition: Denn das Wort „provisorisch“ kommt vom lateinischen „providere“: es bedeutet wörtlich 1. vorhersehen und 2. vorsorgen.
Ich glaube, so geht eine „provisorische Kirchenentwicklung 2030“:
1. Prophetisch wie zum Beispiel Amos mit Blick auf die Herausforderungen der Zeit, auf die Menschen und auf Gott: Menschen beginnen mit einer Initiative, lösen ein konkretes Problem vor Ort, packen die Not und das Potential in ihrem Lebensraum an, folgen der Sendung Jesu: nicht perfekt und permanent – sondern provisorisch, erfinderisch und erprobend.
2. Vorsorgend wie die klugen Jungfrauen: Sie wissen, dass das Wesentliche nicht aus eigener Kraft geschieht. Daher warten sie auf den Bräutigam. Letztlich ist es Gott, der vorsorgt. Im Englischen ist es ein stehender Begriff: „God provides“ – Gott sorgt vor.
Das wünsche ich mir und uns allen: Getragen-Sein vom Vertrauen, dass Gott vorsorgt. Und Anpacken mit dem prophetischen Mut, provisorisch Himmel auf Erden mitzubauen.
von Tobias Aldinger
Provisorisch Kirche sein?
Inspiriert hat mich kürzlich der „provisorische Altar“ in der Kirche Maria Magdalena im Rieselfeld. Die Kirche besteht aus einem evangelischen und einem katholischen Kirchenraum, die durch tonnenschwere, bewegliche Betonwände getrennt werden. Bisher wurden die Wände nur zu wenigen Anlässen im Jahr zur Seite geschoben, um in einem gemeinsamen großen Raum Gottesdienste zu feiern. Seit Corona sind die Wände immer offen. Der Altar in der Mitte des großen Kirchenraums wirkt im Vergleich zu den kunstvollen beiden konfessionellen Altären etwas „provisorisch“. Er erinnert mich daran, dass mein ganzes Leben ein einziges Provisorium ist. Eine vorläufige Leihgabe des Lebens. Und die Kirche auf dieser Erde ist ebenso provisorisch wie dieser Altar: Im Himmel gibt es keine Betonwände, keine Konfession und keinen Kardinal. Und so hat das Provisorische etwas Prophetisches: Dorthin sind wir als Christ/Innen berufen: an einen gemeinsamen Altar.
Alle, die provisorisch nach Formen und Wegen des Evangeliums suchen, stehen in guter prophetischer Tradition: Denn das Wort „provisorisch“ kommt vom lateinischen „providere“: es bedeutet wörtlich 1. vorhersehen und 2. vorsorgen.
Ich glaube, so geht eine „provisorische Kirchenentwicklung 2030“:
1. Prophetisch wie zum Beispiel Amos mit Blick auf die Herausforderungen der Zeit, auf die Menschen und auf Gott: Menschen beginnen mit einer Initiative, lösen ein konkretes Problem vor Ort, packen die Not und das Potential in ihrem Lebensraum an, folgen der Sendung Jesu: nicht perfekt und permanent – sondern provisorisch, erfinderisch und erprobend.
2. Vorsorgend wie die klugen Jungfrauen: Sie wissen, dass das Wesentliche nicht aus eigener Kraft geschieht. Daher warten sie auf den Bräutigam. Letztlich ist es Gott, der vorsorgt. Im Englischen ist es ein stehender Begriff: „God provides“ – Gott sorgt vor.
Das wünsche ich mir und uns allen: Getragen-Sein vom Vertrauen, dass Gott vorsorgt. Und Anpacken mit dem prophetischen Mut, provisorisch Himmel auf Erden mitzubauen.