Was in Weingarten der Blutritt ist, feiert Hoppetenzell als lebendige Georgstradition: Auch in diesem Jahr versammelten sich über 60 Pferde und ihre Reiter zur traditionellen Segnung am Ortsrand.
26.04.2026 | Hoppentenzell
Den Blutritt in Weingarten kennen viele, dabei gibt es dieses Brauchtum der Pferdesegnung auch im Hegau. Die Segnung von Menschen und Pferden verbindet sich in Hoppetenzell alljährlich mit dem Patrozinium des Dorf- und Kirchenpatrons, des heiligen Georgs. Der Brauch, die Siedlung einmal im Jahr zu umschreiten und den Segen zu erflehen, dürfte bis in vorchristliche Zeit zurückgehen. Der Georgsritt gehört zu den Osterbräuchen, denn gerade nach einem langen Winter war die Gesundheit der Pferde überlebenswichtig, nicht zuletzt in der Landwirtschaft und im Transportwesen. Unter Pfarrer Alois Sartory wurde die Tradition um 1950 (wieder) belebt.
Abb. 1 Hoppetenzell Pfr. Huber mit Pferden und Reiterinnen der Familien Fiebig und Nehls
Pfr. Huber mit Pferden und Reiterinnen der Familien Fiebig und Nehls
Mit dem heiligen Georg hätten die Bewohner von Hoppetenzell einen guten Patron gewählt meinte Pfarrer Thomas Huber in seiner Predigt. Dem heiligen Georg gelang es mit Unterstützung seines Pferdes das Böse – versinnbildlicht im Drachen, der Tod und Vernichtung brachte – zu überwinden. Auch heute gälte es das Böse durch das Gute zu besiegen und die Verhältnismäßigkeit in den Auseinandersetzungen zu wahren. Somit beinhalten die zahlreichen Legenden um den hl. Georg eine zeitlose Botschaft. Im Anschluss an die Festmesse zog die Prozession durch das Dorf. Neben den Ministranten, deren rotes geschweiftes Kreuz auf den Gewändern an die ehemalige Zugehörigkeit der Pfarrei zur Johanniterkommende Überlingen erinnert, unterstützten der Musikverein Hoppetenzell und Ortsvorsteher Roman Rendle mit einigen Ortschaftsräten die Prozession mit Fahnen. Es ist eben ein Dorffest, eine Chance zur Begegnung von Jung und Alt, von Mensch und Tier. Die Prozession führte zu einer Wiese am Ortsrand und hier spendete Pfarrer Huber den mehr als 60 Pferden und ihre Halterinnen und Haltern den Segen mit der Georgsreliquie und Weihwasser. Nach einer zweiten Runde durchs Dorf gab es zur Erinnerung ein rot-weißes Abzeichen „Georgsritt“, bevor das Fest in den geselligen Teil mündete.
Hoppetenzell, ein Ort mit Geschichte
Ein kleiner, historisch bedeutsamer Ort nördlich von Stockach im Tal der gleichnamigen Aach gelegen. Erhaben und hochwassersicher liegt der alte Ortskern mit der 1858 neu gebauten Kirche St. Georg auf einer Anhöhe. 2027 dürfen die Einwohner ihre 1250-Jahrfeier der Ersterwähnung begehen, denn im Testament des Abtes Fulrad von Saint Denis bei Paris wird 777 auch die „Adalungzelle“ erwähnt. Eine kleine monastische Gemeinschaft steht somit am Anfang des Ortes und zeigt, welche europäischen Beziehungen schon im 8. Jh. vorhanden waren. Mit der Übergabe an das Pariser Kloster verlor sich der Name des Schenkenden Adalung und im Mittelalter hieß es dann Cella (in Madach), so wie auch auf der Reichenau aus Eginozell Niederzell wurde. Lediglich in Radolfzell bewahrte man den Namen des Gründers. Nach Johannes Thum rührt der jüngere Name Hoppetenzell von den hier verbreiteten Fröschen, die im Dialekt „Hoppixer“ heißen, was auf hoppen, hoppetan = hüpfen zurückzuführen ist. Und tatsächlich heißt es in einer bischöflichen Urkunde 1618 „Cella Ranarum“ (Froschzell).